von Johannes Eppelein
Chorisches Einsingen, Folge 2
„Kein Ton vor 10“ ist ein Lebensmotto, das sich allenfalls allürenhafte Opernsänger:innen leisten können. Gerade für kirchliche Chöre ist der klassische Auftrittsort der Gottesdienst, der üblicherweise (noch?) am Sonntagmorgen stattfindet. Da dem Gottesdienst meist eine mindestens einstündige Ansingprobe vorausgeht – bei Kantatengottesdiensten beginne ich sogar 90 Minuten vor Gottesdienstbeginn – treffen sich Chorsänger:innen zu einer Uhrzeit, die dem üblicherweise am Wochenende ausgelebten Biorhythmus des modernen Menschen entgegensteht. Womöglich hat er sich nur wenige Minuten vorher noch in seiner letzten Tiefschlafphase befunden, was ihm jetzt noch in gering ausgeprägter körperlicher und geistiger Wachheit sowie einem insgesamt niedrigen Spannungstonus buchstäblich ins Gesicht geschrieben ist. Dummerweise hängt aber genau von diesen Parametern gelungenes Musizieren im Allgemeinen und Singen im Speziellen in hohem Maße ab. Ohne entsprechende Übungen zu Beginn wird ein Chor diese hinderlichen Faktoren von selbst frühestens bis Gottesdienstende in den Griff bekommen haben, auch wenn die Auftrittsanspannung schon viele Chöre nach einer desolaten Ansingprobe am frühen Sonntagmorgen gerettet hat.
Um sich nun nicht auf dieses Szenario verlassen zu müssen, versuche ich im Folgenden, einige Tipps zu formulieren und Übungen mitzugeben, die speziell der körperlichen, geistigen und stimmlichen Aktivierung dienen und sich in meiner Praxis bewährt haben…