Editorial

Das kennen Sie sicher: Eine Gruppe von Menschen trifft sich und irgendwann beginnt das Gespräch zu erlahmen. Ziemlich wahrscheinlich wird dann jemand seine jüngsten Erlebnisse mit der Bahn als neues Thema feilbieten. Trigger– worte sind z.B. Verspätung, Schienenersatzverkehr, Wolfsburg oder die vier größten Feinde der Bahn, Frühling, Sommer, Herbst und Winter.
Als ich neulich nach… – oh, Entschuldigung, jetzt wär’s mir fast auch passiert. Wenn sich Kirchenmusiker treffen, gibt es auch ein Lieblingsthema (nach Orgeln, Chorvergreisung und liturgischer Ungedeihlichkeit…). Das Thema heißt GEMA.
Wobei es da tatsächlich einen konfessionellen Unterschied gibt: Während die evangelische Fraktion sich über GEMA-Bürokratie und nicht funktionierende GEMA-Meldungen unterhält, sprechen katholische Kolleginnen und Kollegen darüber, was sie alles nicht mehr dürfen – oder teuer erwerben müssen – seit es keinen Pauschalvertrag für Konzerte in katholischen Kirchen mehr gibt.
Hier ein paar Beispiele für die „Erfolge“ der GEMA:

• Ende August berichtete die Badische Zeitung darüber, dass ein niederländischer Chor einen Auftritt im Dom St. Blasien abbrechen musste, weil eine Mitarbeiterin des Doms befürchtete, die GEMA könne den Auftritt post festum als konzertähnlich bewerten.

• Fast schon tröstlich ist da, dass man ähnliches auch aus anderen Zusammenhängen wahrnimmt: Post-Carnevaliensis (oder so) las ich einen Artikel darüber, dass zahlreiche Institutionen im Düsseldorfer Raum nach einem Auftritt des Prinzenpaares höchst unerbetene Post von der GEMA bekamen. Da bei den Auftritten des Paares stets ein bestimmter Karnevalsschlager gespielt wird – man möge mir verzeihen, dass ich den entsprechenden Düsseldorfer Titel nicht kenne (kenne ich nur aus Mainz…) – wurden die Schulen, Kindergärten, Seniorenund Sportlerheime mit Rechnungen zur Musiknutzung überrascht.

• Während ich dies im Advent ´25 schreibe, lese ich fast täglich Schlagzeilen von Weihnachtsmärkten, auf denen keine Musik mehr gespielt werden darf, weil die GEMA-Gebühren zu hoch seien. Das muss man bei der gefühlt
7.342sten Wiederholung von Last Christmas und der gefühlt 33.186sten Wiederholung von Jingle Bells nicht unbedingt bedauern, bei der oftmals
dargebotenen Life-Musik regionaler Musikvereine und Chöre oder der Bläserklassen der Musikschule hingegen schon (es sei denn, sie spielen – s.o.). Dennoch deutet hier sich bereits die Lösung all der GEMA-erzeugten Probleme an: Es wird einfach keine Musik mehr gespielt! Oder, so machen es, wie ich mehrfach selbst erlebt habe, viele katholische Kollegen, man deklariert ein Konzert um in ein musikalisches Abendgebet. Dazu müssen lediglich zwischen den dargebotenen Musikwerken ein paar geistliche Texte oder Segen eingestreut werden, auch wenn dies nicht immer zur Begeisterung der Konzertbesucher stattfindet, wie mir wie ich mir habe sagen lassen.

Eine andere Lösung wäre es, bei Konzerten/Weihnachtsmärkten/Karnevalsfeiern nur noch GEMA-freie Musik aufzuführen, also Werke, bei denen Komponist, Bearbeiter und Textdichter sämtlich tot genug sind (70 Jahre), um als urheberrechtsfrei eingestuft zu werden. Eigentlich ein schöner Gedanke, denn dann gäbe es auf Weihnachtsmärkten nur noch Schütz, Bach und Herzogenberg, was immerhin besser als Last Christmas wäre. Auch bei Karnevalsfeiern könnte auf ein GEMA-freies Tönet, ihr Pauken! statt auf das gebührenpflichtige Humba, Humba, Humba täterä zurückgegriffen werden.

Theoretisch gäbe es natürlich noch die Möglichkeit, dass die GEZ, ähh pardon, die GEMA über ihre Gebühren-Einzugs-Höhe nachdenkt. Aber bevor das passiert, wird sich die GEMA lieber einen neues Akronym verpassen: GVMA –
Gesellschaft zur Verhinderung musikalischer Aufführungen.
Bleiben Sie fröhlich,
Ihr
Carsten Klomp

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