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Der „Klangraum“ der Lesungen und Predigttexte

Der „Klangraum“ der Lesungen und Predigttexte in der neuen Leseordnung der evangelischen Kirche in Deutschland
Von Jan David Smejkal

Seit 2014 liegt der Entwurf zu einer Neuordnung der Lese- und Predigttextordnung (LPO) der EKD, UEK und VELKD vor. Er sieht eine „moderate Reform“ vor, zu der eine Arbeitsgruppe zehn Grundlinien formulierte. Dieser Kommentar konzentriert sich auf Grundlinie Nr. 2, die „Konsonanz“ der Texte innerhalb eines Propriums (Konsonanz bedeutet hier: die Lesungen weisen mehr oder weniger enge Bezüge zueinander auf).

 

Die Konsonanz der Lesungen untereinander

In der Einführung zur revidierten Ordnung wird der Begriff des „Textraums“ eingeführt, der „weder auseinanderfallen noch zu eng werden“ soll (Entwurf zur Erprobung, 14 u.ö.). Eine genaue Durchsicht der einzelnen Zusammenstellungen von Lesungs- und Predigttexten in der Neuordnung zeigt allerdings, dass das Konsonanzprinzip zwar eindeutig umgesetzt wurde, der „Versuch, Einseitigkeiten zu vermeiden“ (23), jedoch keineswegs durchgehend gelingt. Dies lässt sich vor allem anhand der vorgesehenen Lesungen für die sogenannte geprägte Zeit des Kirchenjahrs feststellen. Als Beispiel sei hier der Sonntag Kantate (5. Sonntag der Osterzeit) angeführt. Nach dem Revisionsentwurf sollen folgende Texte als Lese- und Predigttexte Verwendung finden:

 

(I)    1.Samuel 16,14-23: Davids „Musiktherapie“

(II) Offenbarung 15,2-4: Lied des Mose und des Lammes

(III) Apostelgeschichte 16,23-34: Paulus und Silas beteten und lobten Gott

(IV) 2. Chronik 5,2-5(6-9)10(11)12-14 (alttestamentliche Lesung): Freude beim Laubhüttenfest

(V)   Lukas 19,37-40 (Evangelium): Jubel bei Jesu Einzug in Jerusalem

(VI) Kolosser 3,12-17 (Epistel): Singt Gott dankbar in euren Herzen

Dieser Vorschlag wirkt auf den ersten Blick in sich stimmig, da er verschiedenste biblische Texte zum Stichwort (Lob-)Gesang versammelt; dazu stimmt der Sonntagsname ebenso wie der Wochenspruch bzw. der Wochenpsalm 98. Auffällig ist jedoch, dass hier Sonntagsname und Wochenpsalm (Introitus) „Stichwortgeber“ für die Auswahl der Lesungstexte sind. Ist das angemessen? Man könnte sich fragen, welche Kriterien eigentlich für die Themenauswahl und damit für jene der Schrifttexte gelten.

Ein Blick in die Geschichte der Lesungen für den 5. Sonntag der Osterzeit zeigt, dass vor 1978 als Evangelium Johannes 16,5-15 (Jesus kündigt seinen Fortgang und die Aussendung des Heiligen Geistes an) gelesen wurde…

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