Liebe Leserinnen und Leser,
liebe Kolleginnen und Kollegen!
Wenn Sie dieses Heft in Händen halten, hat es bereits einen langen Weg hinter sich. Monate vor dem Erscheinen eines Heftes sammle und redigiere ich Beiträge und Berichte, die sich gut zwei Monate vor dem Erscheinen zu einer Ausgabe verdichten. In den Wochen vor dem Redaktionsschluss entstehen das Spektrum sowie die Kolumne „Nachgedacht“, kurz vor dem Redaktionsschluss „Namen und Nachrichten“ und schließlich das Editorial. Dann geht es ab zum Layouter, der das Heft ohne die Anzeigen layoutet, dann wieder zu mir zurück zur Korrektur, diese wird vom Layouter eingearbeitet, die Anzeigen kommen hinzu und dann braucht es noch etwa eine Woche für Druck und Versand.
Da sowohl Redakteur als auch Layouter Einzelkämpfer im „bezahlten Ehrenamt“ sind, also gelegentlich auch anderes zu tun haben, werden für die letzten Prozesse etwa sechs Wochen inkl. ein paar Tagen für den „Risikoaufschlag“ Krankheit oder Urlaub veranschlagt. Entsprechend (ver)alt(et) ist das Editorial.
Ich schreibe dies, um zu erläutern, warum Sie, falls Sie dem QR-Code im letzten Editorial gefolgt sind, womöglich nicht das gefunden haben, was ich im Editorial beschrieben hatte. Ich hatte mein Unverständnis über eine ZDF-logoNachrichtensendung für Kinder geäußert, in der zunächst sehr wertschätzend über den islamischen Ramadan und dann sehr abschätzig über die christlichen Kirchen berichtet wurde. Ich hatte in dem Zusammenhang auf die Möglichkeit einer „Förmlichen Programmbeschwerde“ hingewiesen, eine Möglichkeit, die offenbar im Zusammenhang mit der logo-Sendung so zahlreich genutzt wurde, dass sich der ZDF-Intendant Himmler genötigt sah, mit einer ausführlichen selbstkritischen Stellungnahme zu reagieren und den Beitrag aus dem Netzarchiv zu nehmen. Man findet also zwar die Sendung, aber an der Stelle des kritisierten Beitrags eine Schrifttafel mit dem Text: „Im Nachgang zur Ausstrahlung […] haben wir das Erklärvideo zu den christlichen Kirchen entfernt, da wir es rückblickend in seiner Verkürzung als nicht gelungen betrachten.“ Aus redaktioneller Sicht ist das natürlich Pech, aus kirchlicher Sicht hingegen ein Erfolg, weil zwar die Ausstrahlung des Beitrags nicht verhindert werden konnte, aber die Unmutsäußerungen zahlreicher Menschen (und Gebührenzahler) immerhin wahrgenommen wurden – und Reaktionen zeitigten. Das Editorial ein Heft vorher (in 2.2026) zum sogenannten Erprobungsgesangbuch hat ebenfalls Reaktionen gezeitigt. Mehrere Leserbriefe, teils sogar handschriftlich, gingen ein – diese finden sich weiter hinten im Heft – darüber hinaus zahlreiche nicht abgedruckte dienstliche oder sonstige Mails, in denen im postscriptum für das Editorial gedankt und Zustimmung geäußert wurde. Mir gab gerade bei diesen nicht veröffentlichten Mails vor allem zu denken, mit welch frustriertem, ja resignierten Fazit diese oft endeten. Tenor 1: Leider ändert die Meinung der Praktiker ganz offensichtlich sowieso nichts. Und 2. Tenor (wann hat man schon mal zwei Tenöre…): Diese ganze Erprobungsgeschichte scheint wieder mal ein Beispiel für vorgegaukelte Partizipation zu sein, noch dazu ein besonders teures. Ob das tatsächlich so ist oder nicht, möchte ich an dieser Stelle nicht beurteilen. Mir fällt allerdings auf, dass bei Reaktionen auf die z.T. doch sehr ausführliche und deutliche Kritik – eine der Reaktionen finden Sie auch in diesem Heft in der Rubrik „NACHgedacht“ – selten auf die ganz konkreten Inhalte der Kritik eingegangen wird. Statt dessen wird darauf verwiesen, wie sehr man sich doch auf und über ein neues Gesangbuch zu freuen habe, und dass die konservativen „Bewahrer“ eben immer lauter seien als die „Erneuerer“. Gerne wird auch auf das „Bildungsbürgertum“ verwiesen, das bei dieser Diskussion den Ton angebe. Immerhin wird nicht von den alten weißen Männern gesprochen, was z.B. bei dem (leider nicht ganz fehlerfreien, aber inhaltlich doch sehr starken Text) der jungen Musikwissenschaftlerin Susanne Westenfelder, die das EGneu im Internet-VAN-Magazin förmlich auseinandernimmt, auch etwas schwer fiele.
Selbst der viel beklagte, durch ständiges Zerreden seitens der Protagonisten entstehende bundespolitische Stillstand wird (s. „NACHgedacht“) als warnender Vergleich beschworen. Dieser Vergleich geht allerdings insofern fehl, als die Politiker in Berlin als Repräsentanten des Souveräns gewählt wurden, und dafür bezahlt werden, Entscheidungen zu treffen. Wird hingegen – nur mal so als Beispiel – ein Erprobungsgesangbuch erstellt, um Partizipation zu ermöglichen, sollte auch eine kritische Meinungsäußerung zu diesem Gesangbuch möglich, wenn nicht gar erwünscht sein.
Erst recht gilt dies für ganz konkrete Problemanzeigen, wie die von Henning Voss in seinem Artikel über die Vorläufige Liederliste aufgeworfene Frage nach der Befolgung von (eigentlich) selbstverständlichen Compliance-Regeln im Zusammenhang mit der Entstehung des EGneu. Solche Hinweise könnten von den Verantwortlichen ernst genommen – oder als Majestätsbeleidigung abgetan werden.
Wie auch immer: In jedem Fall beweist das Heft, das Sie nun in den Händen halten, dass das FORUM KIRCHENMUSIK tatsächlich ein Forum ganz unterschiedlicher Meinungen ist. Aus redaktioneller Sicht ist das erfreulich und aus kirchlicher Sicht könnte es das auch sein.
Bleiben Sie fröhlich,
Ihr
Carsten Klomp
Liebe Leserinnen und Leser,
in der Demokratie wird gerungen. Das ist auch in unserem Herausgeber-Team so!
Daher gibt dieses Heft nicht die Meinung des ganzen Herausgeber-Teams wieder.