Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

finden Sie das kommende Gesangbuch auch so furchtbar wie viele, deren Beiträge dies in den letzten Ausgaben von Forum Kirchenmusik vermuten ließen?

Kritische Diskussionen sind unbedingt gewollt und sinnvoll in diesem Heft, aber die Tonlage mancher Beiträge finden wir problematisch: Der inzwischen allüberall zu findende Empörungsstil sollte in dieser Zeitschrift nicht um sich greifen – auch wenn er schnellen Beifall verspricht. Zum Beispiel ist die von manchen gefeierte Bemerkung, dass das Gesangbuch nun mit einem Abendkanon beginnen würde, an Populismus kaum zu überbieten. Wer sich die Mühe macht, kurz innezuhalten und wahrzunehmen, dass das Erprobungsbüchlein a) nur wenige Rubriken enthält und b) also nicht den gesamten Inhalt des künftigen Gesangbuchs abbildet und dieses ziemlich sicher nicht mit dem „Abend“ beginnen wird, kann auf diese Idee gar nicht kommen. So ließen sich viele der vorgetragenen Argumente sachlich durchaus diskutieren und auch widerlegen – dafür bräuchte es allerdings mehr Raum als dieses Format bietet. Falls tatsächlich noch die eine oder der andere Leser:in etwas Positives zum kommenden Gesangbuch äußern wollte, dürfte er / sie nun abgeschreckt sein.

Vielleicht sollten wir bei aller berechtigten Kritik nicht vergessen, welche spannende Aufgabe vor uns liegt: Ein neues Gesangbuch entsteht nicht alle paar Jahre. Es ist der Versuch abzubilden, was Menschen heute und morgen miteinander singen, beten, klagen, hoffen und glauben können. Das wird niemals allen gefallen – und das muss es vielleicht auch gar nicht.

Gerade wir Kirchenmusiker:innen können dabei eine wichtige Rolle spielen. Wir erleben Woche für Woche, welche Lieder Menschen gerne singen, wo sie sich schwertun, was trägt, was überrascht und was vielleicht auch einmal ausprobiert werden darf. Dieses Erfahrungswissen ist wertvoll. Deshalb: kritisch bleiben, ja. Fragen stellen, unbedingt. Verbesserungsvorschläge machen, sehr gern. Aber vielleicht mit derselben Leidenschaft, mit der wir über das sprechen, was uns stört, auch über das, was uns gelingt und worauf wir uns freuen.

Auch hier gilt: Erst fragen, dann meckern – denn manches lässt sich ja mit ein paar Infos erstaunlich gut ausräumen (wie in diesem Beitrag von Beate Besser: www.feinschwarz.net/das-neue-gesangbuch). Jede Gliedkirche hat Vertretende in der Gesangbuchkommission, die gefragt werden können. Laden Sie doch einfach auskunftsfähige Personen in Ihre Konvente (geht ja auch inzwischen digital) ein, um Fragen zu stellen und Wünsche zu äußern!

Und: es soll Menschen geben, die sich auf das Gesangbuch freuen – wissend, dass sie nicht alles verwenden werden –, die sich aber bisher eher mündlich an uns gewandt haben: Ob sich diese hier ermuntert fühlen, doch noch zu schreiben? (s.o.)

Denen soll dieses Editorial ausdrücklich gewidmet sein.

Beate Besser Heike Kieckhöfel Ingomar Kury
(Mitherausgeberin) (Vize-Präsidentin) (Vize-Präsident)

 

Liebe Leserinnen und Leser,
auch für diese Ausgabe des FORUM gilt die presserechtliche Selbstverständlichkeit, dass die einzelnen Texte nicht die Meinung der Redaktion oder sämtlicher Herausgeber wiedergeben.

Schreibe einen Kommentar