Neues Gesangbuch

„Was singen wir morgen? Das Liederbuch freiTÖNE als Wegmarke zu einem neuen Evangelischen Gesangbuch“
Konsultationstagung vom 31.10. bis 2.11.2018 im Michaeliskloster in Hildesheim
Von Peter Ammer

Vor zwei Jahren hatten der Deutsche Evangelische Kirchentag und die EKD zum Reformationsjubiläum ein gemeinsames neues Liederbuch herausgegeben, die freiTÖNE. Darin finden sich klassische Choräle, neue geistliche Lieder, Worship-Songs, internationale Gesänge aus allen Erdteilen und zahlreiche Vorschläge für Tagzeitengebete. Nach nunmehr eineinhalb Jahren intensiven Gebrauchs sollte eine Zwischenbilanz gezogen werden: Welches Liedgut hat sich etabliert? Wo gibt es Leerstellen? Welche Genres und Entwicklungen müssten neu bedacht werden? Im Blick auf die Konzeption eines neuen Gesangbuchs sollte auf Erfahrungen mit den freiTÖNEN, aber auch auf die Rezeptionsstudie zum EG zurückgegriffen werden. Bei der Tagung kam neben Vorträgen und Statements aus Theorie und Praxis auch das Singen selbst nicht zu kurz: um es vorwegzunehmen: es war eine hochklassige Veranstaltung mit einer beispielhaften Breite und Tiefe der Themen und Vorträge – theologisch und musikalisch –, die dem Anspruch einer Auftaktveranstaltung auf dem Weg zu einem neuen Gesangbuch gerecht wurde. Zur Begrüßung und Einstimmung zeigte der Vizepräsident der EKD, Dr. Thies Gundlach, gleich die Marschroute auf: nach Erarbeitung und Einführung der Perikopen- und Wochenliedordnung soll jetzt die Arbeit an dem Nachfolger des Evangelischen Gesangbuchs aufgenommen werden. Die Anforderungen und die unterschiedlichen Erwartungshaltungen an ein zukünftiges Gesangbuch sind völlig andere als noch um 1990. Vieles wird auf den Prüfstand kommen, neue Aspekte müssen berücksichtigt werden. Möchte man dann nicht ein riesiges Kompendium von alten und neuen Liedern, Psalmen, Gebeten, Bekenntnissen, anderen Texten, Gottesdienstformen u.v.m., muss priorisiert werden. Möglichkeiten digitaler Nutzung und Verlagerung von Inhalten in die cloud sind bereits Realität und müssen in die konzeptionellen Überlegungen einbezogen werden. Eine Referentenstelle bei der EKD wurde eben ausgeschrieben; Von dort soll der Prozess gesteuert werden, z.B. die Gesangbuchkommission und eine Steuerungsgruppe zu koordinieren. Fünf der „Macher“ der freiTÖNE stellten an Beispielen unentdeckte Schätze und unvorhergesehene Leerstellen vor und reflektierten ihre Erfahrungen damit: Prof. Dr. Jochen Arnold (Internationale Gesänge), LKMD Beate Besser (Gender-Varianten), Dr. Stephan Goldschmidt (Ergebnisse von Lied-Wettbewerben), LKMD Prof. Dr. Gunter Kennel (unterschiedliche Tagzeiten-Gottesdienste) und Kirchentagspastor Arnd Schomerus (Ergebnisse der Liederwerkstatt zum Dt. Evang. Kirchentag, wo 2015 die thematischen Lieder zum Kirchentagsmotto entwickelt wurden). Bei diesen Referaten wurde – wie über die ganze Tagung hinweg – ausgiebig aus den freiTÖNEN gesungen…

Ein Gedanke zu „Neues Gesangbuch

  1. Ich möchte auf eine m.E. falsche Entscheidung im EG hinweisen: das Lied „Lobe den Herrn, den mächtigen…“ ist eins der wenigen Lieder, die man noch als allgemein bekannt voraussetzen kann. Durch eine 2. „ökumenische“ Fassung wurde das selbstverständliche Auswendig-Singen gestört. Das Lied ist eins der nicht sehr zahlreichen Lieder, die dichterische Qualität haben, deshalb darf man sicher nicht die Abrundung in der 5. Strophe durch die Wiederaufnahme der Anrede an die Seele
    aufgeben. Auch „Abraham Samen“ sollte nicht mit Rücksicht auf ein Grinsen von Konfirmanden aufgegeben werde; denn es ist ein Lied, in das auch Muslime einstimmen können. M.E. gibt es nur ein Wort in dem ganzen Lied, das geändert werden müsste, weil es heute einen völlig anderen Sinn hat: das ist in der 3.Str. „künstlich“. Darunter versteht man heute den Gegensatz zu „natürlich“, was ja nicht gemeint ist, es müsste jetzt „kunstvoll“ heißen, um den Sinn zu treffen, den Neander gemeint hat.
    Gisela Hirschberg-Köhler (Studium der Germanistik und Ev.Theologie)

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