Fundstücke, Fragmente, Fragen

Zum 125. Todestag von Josef Gabriel Rheinberger

Von Birger Petersen

 

Dass die Arbeit in Netzwerken für Angehörige der Musikberufe eine existentielle – und existenzsichernde – Aufgabe ist, ist nicht nur für das 21. Jahrhundert einzuräumen: Musik (Interpretation, Komposition, Vermittlung) funktioniert ohnehin nur im Austausch untereinander, und gerade Komponist:innen sind darauf angewiesen, unter anderem zur Distribution ihrer Werke intensiv zu kommunizieren. Dabei ist die Arbeit in Netzwerken im 19. Jahrhundert ungleich mühsamer, verglichen mit den Bedingungen der Gegenwart: Briefe sind mit der Hand zu schreiben (oft noch neben dem Tagebuch), und die Verzögerungen durch die langsame Post können entsprechende Verwerfungen in der Zeitwahrnehmung bedeuten – bieten andererseits aber auch die Möglichkeit der Reflexion über das Geschehene und infolgedessen eine entsprechende ästhetische Vertiefung.

Der 1839 in Liechtenstein geborene Josef Gabriel Rheinberger und seine Ehefrau Franziska von Hoffnaaß (geborene Jägerhuber) waren im bürgerlichen Milieu Münchens ein Künstlerehepaar mit einem großen Netzwerk: Der Professor an der Königlichen Musikschule, der heutigen Hochschule für Musik und Theater München, prägte über 40 Jahre hindurch den Werdegang von über 600 Kompositionsschülern und unterhielt zahlreiche Kontakte zu Komponisten, Musikern und Künstlern. Franziska von Hoffnaaß wiederum hatte als Schriftstellerin Verbindungen zur Bildungsschicht der Stadt, die sie in einem eigenen Salon pflegte: Sie war es, die dieses Netzwerk aus Kunst und Wissenschaft, Adel und Kirche in ihren Notizen festhielt und so ein Bild der bürgerlichen Musikkultur der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts schuf. In ihren Notizen und Tagebüchern finden sich Hinweise auf Komponisten wie etwa Richard Wagner, Hans von Bülow, Franz Liszt oder Johannes Brahms, aber auch auf Schriftsteller wie Paul Heyse oder Martin Greif. Das Netzwerk Josef Gabriel Rheinbergers verrät vieles über das Leben und Schaffen des Komponisten – deckt aber auch die Forschungsdesiderata auf, die es zweifellos nach wie vor gibt…

Schreibe einen Kommentar