Gottesdienst

Begeisterung durch Musik im Gottesdienst Überlegungen aus Sicht des Kano-Modells
Von Jochen Kaiser

Der japanische Wissenschaftler Noriaki Kano entwickelte in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren ein Modell, das die Kundenzufriedenheit messen soll. Das nach ihm benannte Modell – Kano-Modell – unterscheidet drei Ebenen, die mit der Zufriedenheit von Kunden oder Teilnehmenden (an Kulturveranstaltungen oder Gottesdiensten) zu tun haben. Das „Zentrum für Qualitätsentwicklung im Gottesdienst“ hat das Kano-Modell auf den Gottesdienst übertragen. Der vorliegende Artikel setzt die kleine Serie über „Qualität der Musik im Gottesdienst“ fort und fokussiert das Kano-Modell auf die gottesdienstliche Musik.Es ist herausfordernd, ein Modell der Wirtschaft auf den Gottesdienst zu übertragen, gleichzeitig ist es auch spannend, weil neue Facetten zum Vorschein kommen, die sonst gar nicht wahrgenommen werden. Trotzdem gibt es Grenzen der Übertragung, die beachtet werden sollten.
1. Das Kano-Modell ist ein kapitalistisches Wirtschaftsmodell, das auf Steigerung angelegt ist. Immer neue Erfindungen und Annehmlichkeiten sollen die Kunden locken und dann zufrieden stellen.
2. Das Kano-Modell orientiert sich stark an der subjektiven Zufriedenheit. Eine Gemeinschaft oder ein transzendentes Gegenüber ist nicht eingeplant.
Das Ziel des Kano-Modells ist es, die Kundenzufriedenheit besser einschätzen zu können. Deshalb steht der einzelne (Kunde) im Mittelpunkt des Interesses. Während das Modell von Donabedian – mit Konzept-, Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität (siehe Ausgabe 1,20)  eher die Leitenden und besonders Aktiven untersucht, will das Kano-Modell die Teilnehmenden und ihr subjektives Erleben schärfer in den Blick nehmen und für die Entwicklung der Qualität im Gottesdienst berücksichtigen.
Wie es weiterging, nach der kontroversen Diskussion zwischen Kirchenmusiker und Pfarrerin: „Es hatte einige Zeit und viele Diskussionen gekostet, bis ich mich als Musiker auf die neuen Ideen der Pfarrerin einlassen konnte. Ich wollte nicht einfach nur die Noten spielen, sondern mir war es wichtig, dass ich mich mit der Musik identifizieren konnte. Nun war es soweit, ein erster Gottesdienst im „neuen“ Stil, wurde gefeiert. Wir hatten uns viel Mühe gegeben. Ein Freund von mir – nicht so vertraut mit dem Gottesdienst – wollte teilnehmen und mir ein Feedback geben. Ich war wirklich gespannt…

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