Kirchenlied

Die 250jährige Geschichte des Liedes „O du fröhliche“
Von Martin Blindow
Kein deutsches Weihnachtslied hat solch eine Verbreitung und Akzeptanz gefunden wie „O du fröhliche“, sieht man einmal von „Stille Nacht, heilige Nacht“ ab. Beiden Liedern ist eins gemeinsam: sie stießen ursprünglich auf keine Gegenliebe bei der offiziellen Kirche, den Hymnologen und Kirchenmusikern. Ihre kaum fassbare liturgische Basis und der „sentimentale“ Grundton in Text und Melodie verwehrte ihnen lange den Zugang zu den amtskirchlichen Gesangbüchern und den Gottesdiensten. Erst nach dem letzten Kriege stehen sie gleichberechtigt neben den alten Weihnachtsliedern wie „Gelobet seist du, Jesu Christ“ oder „Vom Himmel hoch“. In den letzten Jahrzehnten ist „O du fröhliche“ zum beliebtesten Weihnachtsgesang geworden. Kein Weihnachtsgottesdienst ist denkbar ohne dieses Lied. Mit ihm wird in den Festgottesdiensten die heutige Gemeinde in die Weihnachtzeit entlassen. Die Geschichte des Liedes – ganz anders als bei der bekannten Entstehung von „Stille Nacht, heilige Nacht“ – weist viele ungeklärte bzw. unsichere Seiten auf. Man nahm bisher an, dass Johann Gottfried Herder die Melodie mit dem ursprünglichen Text „O sanctissima“ auf einer Italienreise von sizilianischen Fischern hörte, nach Deutschland mitbrachte und in seiner großen Sammlung „Stimmen der Völker“ herausgab.   Aber Herder starb am 18. Dezember 1803 in Weimar, bevor die Herausgabe der Sammlung beendet war.  Sein Sohn, der Arzt Wilhelm Christian Gottfried übernahm die Bearbeitung des letzten Teils für den Druck, konnte die Arbeiten aber auch nicht abschließen, da er 1806 in Weimar starb. Unter der Überschrift „An die Jungfrau Maria. Ein sicilianisches Schifferlied“ erschien es 1807, herausgegeben von Johann von Müller, der in seinem Vorwort vom 10.August 1806 betont, dass er die Lieder nach dem Plan Herders geordnet habe…

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